des Instituts für Kommunikationswissenschaft, Uni Münster

 

CYBERSOCIETY II: CYBER CASH

 

I Einführung in das Thema

II CyberCash: Entwicklung des Geldes zum virtuellen Zahlungsmittel

1. Evolution des Geldes

2. Funktionen des Geldes

3. Konventionelle Zahlungsformen

3.1 Online- Banking
3.2 Kreditkartengeschäfte im Internet

4. Banken im WorldWideWeb

5. Virtueller Zahlungsverkehr
5.1 Die virtuelle Bank
5.2 Digicash
5.2.1 Funktionsweisen
5.3 Millicent
5.4 CyberCash
5.4.1 Funktionsweisen
5.4.2 Sicherheitsmerkmale
5.5 Gefahren des virtuellen Geldes
5.6 Rechtsfragen des elektronischen Geldes im Internet

6. Cybershopping - Einkaufen im Netz


III Cybersociety: Auswirkungen der Digitalisierung und Virtualisierung
auf die Gesellschaft

1. Cyberökonomie
1.1 Die virtuelle Unternehmung
1.2 Die virtuelle Distribution

2. Die Rolle des Geldes in unterschiedlichen Gesellschaftsentwürfen

3. Gesellschaftsentwurf Cyburbia: Cybercash im Cyberspace?

IV Ausblick

Literaturverzeichnis

 

I Einführung in das Thema

Cybercash hat an Interesse und Bedeutung gewonnen, seitdem die kommerzielle Nutzung des Internet in das Blickfeld von Unternehmen gerückt ist. Die Nutzung des Internet als Distributionsplattform sowie die Erbringung von kommerziellen Informationsdienstleistungen werden erst dann zur vollständigen Alternative, wenn auch Zahlungsverfahren digitalisiert werden und eine Geschäftsabwicklung zulassen, die ohne Wechsel des Mediums auskommt (Bühl 1997: 246).

Geld unterliegt einem ständigen Wandlungsprozeß. Eine Digitalisierung von geldli-chen Prozessen hat bereits stattgefunden. Ob eine Virtualisierung folgen wird, wird in der Kommunikationsgesellschaft nach Josef Brauner davon abhängen, ob es gelingt, eine virtuelle Währung zu schaffen, die einfach im Gebrauch und zu-gleich sicher ist. Projekte wie e- cash oder Cyber- Cash könnten seiner Meinung nach bereits einen geschlossenen digitalen Währungskreislauf bilden (Brauner 1996: 88).
Eine Cyberwährung würde die Regeln der Märkte neu definieren. Mit der Einfüh-rung des Euro läßt sich bereits feststellen, daß der grenzübergreifende Handel zunimmt und sich die Märkte statt nach Ländergrenzen neu nach Sprachblöcken gruppieren lassen (infosat 2/ 99: 78).
Eine Gefahr von Cyberwährungen besteht darin, daß sich diese Zahlungsmittel bei immer schnelleren Transaktionen von wachsender Abstraktion letztlich von wirt-schaftlichen Aktivitäten lösen. Sie würden dann Impulsen folgen, die sie selbst auslösen (Bühl 1998: 237).

Deutlich wird in der Auseinandersetzung mit Cyberwelten immer wieder, daß wir unsere Wirklichkeit im Cyberspace abbilden. In den virtuellen Räumen, die wir uns vorstellen, nehmen wir Duplikate der von uns durch unsere Sinne erfahrbaren Welt wahr. Die Simulation unserer Welt ist dazu noch schlecht (Flusser 1993: 69). Die Konkretizität, die wir durch unser zentrales Nervensystem erreichen, können virtuelle Räume bislang nicht herstellen, doch: die Konkretizität ist steigerbar (Flusser 1993: 71). Das Kommunikationsnetz soll eine Erweiterung unseres Ner-vensystems werden, so wie das Teleskop eine Erweiterung des Auges ist (Woolley 1994: 137).

Cybercash zwischen Medialität und Virtualität - die Digitalisierung und Hybridisie-rung des Geldes zeigt, daß es weder materiell, noch virtuell ist; basale Dichotomi-en wie Medialität versus Virtualität verlieren im Diskurs des Hybriden an Gültigkeit (Schneider 1997: 58).

Die vorliegende Ausarbeitung des gleichnamigen Referates möchte zunächst die Entwicklung des Geldes zum virtuellen Zahlungsmittel beschreiben, um sich dann den Auswirkungen der Digitalisierung und der Virtualisierung auf die Gesellschaft zuzuwenden.
Ausgehend von der Evolution des Geldes und seinen Funktionen werden konven-tionelle Zahlungsmittel über das neue Medium Internet dargestellt. Hierzu zählen das Online- Banking ebenso wie das Kreditkartengeschäft im Internet. Nach einer kurzen Analyse der Internetstrategien der Banken wird der virtuelle Zahlungsver-kehr fokussiert. Drei unterschiedliche Konzepte digitalen Geldes werden in ihren Funktionsweisen, den Gemeinsamkeiten und Unterschieden erläutert. Es soll aller-dings nicht versäumt werden, die Gefahren des virtuellen Geldes ebenso wie rechtliche Fragen kritisch zu beleuchten. Da die Akzeptanz des digitalen Geldes eng verquickt mit der Akzeptanz des E- Commerce ist, werden im letzten Abschnitt des zweiten Kapitels die Möglichkeiten des Cybershopping dargestellt.
Nach der eingehenden Beschäftigung mit Cybercash soll im dritten Kapitel die Aufmerksamkeit auf die Cybersociety gelenkt werden. Auswirkungen von Digitali-sierung und Virtualisierung in der Cyberökonomie werden exemplarisch am Bei-spiel der virtuellen Unternehmung und der virtuellen Distribution untersucht. Bevor ein Ausblick die Arbeit abrundet, werden die Rolle und die Funktionen des Geldes, die in Kapitel zwei evolutorisch dargestellt wurden, in bezug auf die Cybersociety und unterschiedliche Gesellschaftsentwürfe kritisch betrachtet.


II Cybercash: Entwicklung des Geldes zum vir-
tuellen Zahlungsmittel

"Das Ende des Euro ist kaum weiter entfernt als das der D- Mark.
Notenbanken und nationale Geldmonopole werden schon bald Ver-
gangenheit sein."
(Birkelbach 1998: 149)

Geld befindet sich zur Zeit in einem Prozeß der Hybridisierung. Die Hybridisierung bezeichnet Entwicklungen, in denen sich Formen kombinieren, die sich in unter-schiedlichen Zeitdimensionen entwickelt haben, die in bezug auf einige Merkmale different sind, andere aber gemeinsam haben und die unterschiedliche Systeme auf einem Träger vereinigen (Schneider 1997: 14 f.). An der Evolution des Geldes läßt sich dieser Prozeß gut nachvollziehen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung gewinnt das Geld neue Dimensionen, wobei die virtuellen Möglichkeiten das real Umgesetzte weit übersteigen.

Kennzeichnend für Hybridisierungen ist, daß sie mit einer Effizienzsteigerung ver-bunden sind (Schneider 1997: 19). Auch dies läßt sich am Beispiel des Geldes, zum Beispiel in bezug auf Akzeleration der Transaktionen, aber auch in einer öko-nomischen Dimension in bezug auf Kostensenkungspotentiale, gut erkennen.
Im folgenden soll ausgehend von der Evolution des Geldes der Prozeß der Digitali-sierung bis hin zur Virtualisierung, deren Möglichkeiten und Grenzen, aufgezeigt werden.


2.1 Evolution des Geldes

"Digital money is fast becoming the currency of a new era. In 50
years or so, we probably will feel comfortable relying on the cyber
standard, and today's currencies will be in collectors' collections."
(Lynch 1996: 122)

Geld hat im Laufe der Jahrhunderte immer wieder seine Gestalt gewechselt. Dabei ist die Geschichte des Geldes die Geschichte seiner Immaterialisierung. Mit jeder Weiterentwicklung verlor das Geld etwas von seiner materiellen Basis. Die histori-schen Geldperioden erstrecken sich vom Naturalgeld über das Münzgeld, das Pa-piergeld und das Symbolgeld bis hin zum virtuellen Geld. Die letzte Stufe einer denkbaren Immaterialisierung wäre der digitale Tod des Geldes: Banknoten wür-den zu Bits, das Geld zu einem Code (Bühl 1997: 250).

Die längste Zeit zahlte der Mensch mit Naturgeld: Höhlenbewohner in Westeuropa zahlten mit Nephritbeilchen, Chinesen mit Muscheln und Schildkrötenschalen, im antiken Griechenland kostete ein Sklave vier Rinder. Erst vor gut 2500 Jahren wurde das Naturgeld vom Metallgeld verdrängt. Vorteile von Gold, Silber und Kupfer: Sie sind selten genug, um als Wertmittel anerkannt zu werden und häufig genug, um als Tauschmittel zur Verfügung zu stehen. Außerdem erfüllen sie alle Geldfunktionen: Sie sind sowohl Tauschmittel als auch Recheneinheit und Wertaufbewahrungsmittel (Bühl 1997: 250 f.).

In Deutschland wurde die erste Notenbank 1765 von Friedrich dem Großen ge-gründet. Der Übergang vom Metall- zum Papiergeld beruhte nicht zuletzt auf Ver-trauen und Rechtsordnung. Erster Schritt der Immaterialisierung der Banknoten und Münzen waren Kredit- und Bankkarten, die mit Magnetstreifen versehen wur-den. Seit 1997 kann auf einem fingernagelgroßen Chip elektronisches Geld gespei-chert werden. Mit der Chipkarte ist das Geld endgültig unsichtbar geworden. Im Gegensatz zur Offline- Lösung der Chipkarte eröffnet das Internet online neue Möglichkeiten des virtuellen Geldes, da nun selbständige Geldsysteme geschaffen werden können (Bühl 1997: 251).
Die letzte Stufe der Immaterialisierung wäre die Digitalisierung des Geldes. Die historischen und technischen Voraussetzungen, z.B. die Entwicklung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien sowie die weltweite Vernetzung von Rechnern, sind bereits gegeben (Bühl 1997: 253).

Die Evolution des Geldes ist nach Meinung des Ökonomen Joseph Barrett un-trennbar mit der Evolution der Kommunikation verquickt. Kommunikationstechno-logien haben beim Streben nach Profit und Gewinn, nach Volumen, Masse und Raum nun, im Cyberspace- Kapitalismus, auch die Hürde Zeit genommen.
Jede Form des Geldes versucht, die Probleme des gültigen Kommunikationssy-stems zu lösen, schafft dabei jedoch auch neue Probleme. Frühere Formen des Geldes konnten Volumen und Masse eliminieren, indem physische Handelsgüter durch kleinere Repräsentationen ersetzt wurden. Andere Formen des Geldes ant-worteten auf die Überwindung des Raumes durch Telegraphen und kreierte einen Markt für die Zeit. Heute versucht man, der Zeit zu entfliehen, ihr vorauszueilen (Barrett 1997: 162).
Das heutige elektronische Geld kombiniert die Attribute der früheren Formen des Geldes und geht ein neues Problem an, das ganz eigene Risiken besitzt: die Ver-nichtung der Zeit. Nach der Devise 'Zeit ist Geld' soll über die Geschwindigkeit der Computerkommunikation die Zeit zerstört werden. Der Cyberspace kreiert dabei jedoch einen Weltmarkt, der so interdependent ist, daß das Glück oder Unglück eines Investors das Glück oder Unglück aller darstellt (Barrett 1997: 163).
Geld ist und war nach Barrett also immer ein Symbol, das innerhalb eines Kom-munikations- Systems zirkuliert und sich analog dazu verändert. Der hohen Ge-schwindigkeit unseres heutigen Kommunikations- Systems muß sich das Geld mittels Computer- Technologien anpassen (Barrett 1997: 164).


2.2 Funktionen des Geldes

Die Evolution des Geldes hat bereits gezeigt, daß man Geld losgelöst von der ma-teriellen Form betrachten muß. Wichtig sind die unterschiedlichen Aufgaben und Funktionen, die Geld in einer Volkswirtschaft erfüllt. Drei Anforderungen muß eine Währung genügen; neben einem universellen Tauschwert muß eine Währung ein homogenes und allgemein verbindliches Maß annehmen und sich drittens zur Schatzfunktion eignen (Franck 1998: 72).

1. Tauschmittelfunktion: Eine arbeitsteilige Wirtschaft kann ohne Güteraustausch nicht existieren. Die Tauschmittelfunktion arbeitet nach dem Prinzip Ware gegen Geld - Geld gegen Ware. Es sind vielfältige Tauschbeziehungen möglich, die auch zeitlich verschoben abgewickelt werden können.
2. Wertaufbewahrungsfunktion: Geld ist ein Gut höchster Liquidität. Auch Werte anderer Liquiditätsgrade müssen in Geld transformierbar sein.
3. Recheneinheitsfunktion: Durch die Recheneinheit Geld sind verschiedene Güter miteinander vergleichbar, vorausgesetzt, Geld ist in kleine Einheiten teilbar (Krafft 1996: 10 f.).

Festzuhalten ist, daß Geld jedes allgemein akzeptierte Zahlungsmittel ist. Dieses Zahlungsmittel in seiner konventionellen Form soll im nächsten Kapitel vorgestellt werden.


2.3 Konventionelle Zahlungsformen

Bei der Nutzung der im folgenden vorgestellten Zahlungsformen fungiert das In-ternet als Übermittler und kann somit u.a. Abläufe im Kundenverkehr vereinfachen und beschleunigen. Das Internet- Banking beschränkt sich dabei noch auf kon-ventionellen Zahlungsverkehr mit dem Medium eines Computernetzwerkes (Escher 1998: 2).

2.3.1 Online Banking
Der Zahlungsverkehr des Homebanking erschöpft sich üblicherweise darin, daß der Bankkunde mit seiner Hausbank per Internet kommuniziert und ihr Anweisun-gen zur Ausführung von Banktätigkeiten gibt. Generell werden als Onlinedienstlei-stungen zumindest Abfrage der Konto- und Depotinformationen, sowie die Ertei-lung von Überweisungsaufträgen angeboten. Einige Banken bieten mittlerweile auch Lastschriftverfahren und Wertpapierhandel via Internet an (www.dresdner-bank.de).

Es gibt unterschiedliche Homebankingverfahren, die Daten werden aus Sicher-heitsgründen bei jedem System verschlüsselt über das Netz geschickt. Die meisten Banken setzen zur Absicherung des Datentransfers auf reine Softwarelösungen.
Beim T-Online Homebanking ist z.B. der Umgang mit persönlichen Identifikations-nummern (PIN) und Transaktionsnummern (TAN) üblich. Jede TAN ist nur einmal für eine Transaktion nutzbar und wird dann ungültig (Günzel 1998: 69).
Häufig anzutreffen ist die von der deutschen Firma Brokat entwickelte gleichnami-ge Online Transaktions-Plattform, die auf der Programmiersprache Java basiert. Fast 1500 Banken sind mit Brokat Internet Banking online, darunter u.a. die Deut-sche Bank (www.brokat.de).

Der Homebanking Computer Interface (HBCI), das von der Firma Faktum Softwa-reentwicklung GmbH aus Nieder-Olm entwickelt wurde, ist ein Homebankingstan-dard für das Internet, der den Zahlungsverkehr sicherer machen soll. Der Kunde muß sich dabei mit einer persönlichen Diskette (Sicherheitsmedium) und einer achtstelligen Geheimnummer identifizieren; die Diskette bekommt er von seiner Bank (www.faktum.de).
Die führenden Banken haben sich auf HBCI als gemeinsamen Standard geeinigt. Die Vereinbarung trat im Oktober 1997 in Kraft und verpflichtete alle deutschen Kreditinstitute mit einer Übergangsfrist von einem Jahr, HBCI umzusetzen.
Eine hundertprozentige Sicherheit im Homebanking-Verfahren kann derzeit aber kein Anbieter garantieren (Günzel 1998: 69).

Falls es zu Geldverlusten kommen sollte, liegt die Beweislast beim Kunden. Derje-nige, von dessen Konto Geld verschwindet, muß der Bank beweisen, daß er die entsprechende Transaktion nicht getätigt hat.
Die Volksbank-Raiffeisen AG Mainz entschloß sich im Januar 1998 als erste Bank zu einer Umkehr der Beweislast zugunsten des Anwenders und haftet für alle von ihr zu vertretenen Schäden, die dem Kunden durch fehlerhaft erbrachte Leistun-gen entstanden sind, sofern nicht das Verhalten des Kunden für die Schäden nachweislich die Ursache war (Günzel 1998: 70).

2.3.2. Kreditkartengeschäft im Internet
Am weitesten verbreitet sind derzeit noch Kreditkartenzahlungen via Eingabe der Kreditkartennummern im Internet. Da der Zahlende bei Kreditkartengeschäften seine Kartennummer ins offene Netz stellt, ist dieses Geschäft sehr starken Si-cherheitsbedenken ausgesetzt.
Bei den neuen Kreditkartenverfahren ist die Entwicklung eines Verschlüsselungs-verfahrens zur sicheren Übermittlung von Daten das vorrangige Ziel. Hierbei wer-den die Kreditkartendaten chiffriert, der Händler kann die für ihn unlesbaren Bites nur an das Kreditinstitut weiterleiten, welches die chiffrierten Kartennummer de-codiert, sie dem Händler bestätigt und ihm die Daten gutschreibt (Günzel 1998: 74).

Secure Electronic Transaction (SET) ist ein Verschlüsselungsverfahren von Visa, Mastercard, Microsoft, Netscape und IBM. Karteninhaber, die mit SET im Internet einkaufen wollen, benötigen eine Software, die in den Browser integriert wird (Plug In). Der User muß sich bei seiner Bank anmelden und erhält dann ein einmal nutzbares Paßwort. Damit kann er seine persönliche ‚digitale' Unterschrift für seine Kreditkarte herunterladen. Vom Prinzip her funktioniert SET immer noch wie eine klassische Kreditkartenzahlung, es gibt jedoch eine digitale Unterschrift, die das Institut zur Zahlung auffordert.
Festzuhalten ist, daß die Belastung des Kontos weiterhin nach der Versendung der Ware erfolgt, die Zahlungsvorgänge (Umsatz, Zeit, Ort des Einsatzes) sind eben-falls immer noch nachvollziehbar (Günzel 1998: 74).

Sowohl beim Online- Banking als auch beim Kreditkartengeschäft spielen die Ban-ken eine zentrale Rolle. Ihre Internetstrategien werden nun dargestellt.


2.4 Banken im WorldWideWeb

Das Internet wird von den Banken meist als Plattform zur eigenen Darstellung genutzt. Nur wenige Banken bieten umfangreiche Dienstleistungen an. Zu diesen Ergebnissen kam eine Studie von Booz Allen & Hamilton (www.bah.com/viewpoints/internet_banking.htm).
Laut der Studie offerieren insgesamt 519 Banken (Nordamerika 232, Lateinameri-ka 21, Europa 177, Asien/Australien 89) Internet Banking, davon bieten 92% ein-faches Internet-Banking (Homebanking), nur 2% fortgeschrittene Transaktions-serviceleistungen an.
Abb. 1.1:

In Bezug auf das erwartete Zukunftswachstum sind momentan fast alle Banken nur mit niedrigen Investitionen bzw. Angeboten vertreten; laut der Studie planen 42% der Banken eine Weiterentwicklung ihrer Angebote im Internet in den näch-sten drei Jahren.
Abb. 1.2:

Im neuen Jahrtausend wird es einen großen ausgereiften Wettbewerb im Internet Banking geben, dafür sprechen einige Prognosen: Zwei Prozent der Banken sind bis jetzt im Internet vertreten, aber 65% planen oder programmieren gerade ihren Auftritt. Mehr als 100 Millionen Personen werden das Internet bis zum Jahr 2000 benutzen (http://www.bah.com/viewpoints/internet_banking.htm).

Als Fazit läßt sich festhalten, daß die Kunden- Bank Beziehung sich drastisch ver-ändern wird und viele Verbindungen und Überweisungsschritte reduziert werden, was einen geringeren Kostenaufwand bedeutet. Das Internet bietet den Banken sowohl in geographischer als auch funktionaler Hinsicht die Möglichkeit neuer An-gebote, führt aber auch zu hohem Konkurrenzdruck (http://www.bah.com/ viewpoints/internet_banking.htm).


2.5 Virtueller Zahlungsverkehr

"Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die zahlt aus in bar."
Marius Müller- Westernhagen, Sänger

Die Digitalisierung als nächste Stufe der Evolution des Geldes scheint im Zeitalter des Cyberspace unausweichlich. Werden Banknoten zu Bits und das Geld reduziert auf einen Code, ist auch die Rolle der Banken in Frage zu stellen. Manche Banken eröffnen schon gar keine Filiale mehr außerhalb des virtuellen Raumes.

2.5.1 Die virtuelle Bank
Die erste virtuelle Bank, die eine Banklizenz zur Tätigkeit im Internet erhalten hat, ist die US- amerikanische Security First Network Bank (SFNB).
Außer den Internet- Filialen im dreidimensionalen Format unterhält sie nur ein kleines Büro im US- Bundesstaat Kentucky. Die Bankgeschäfte beziehen sich hauptsächlich auf den Zahlungsverkehr, doch ist eine Ausweitung auf das Wertpa-piergeschäft angestrebt. Die Kundschaft ist international (www.sfnb.com, Vitt 1997: 245).

Banken genießen im Wirtschaftskreislauf eine Sonderstellung aufgrund der hohen staatlichen Kontrolle; entscheidendes Merkmal im privaten Bereich ist das Vertrau-en, das die Kunden zu ihrer Bank haben. Genau dieses Vertrauen gilt als wichtiger Indikator für die Akzeptanz von Banking über Netzwerke (Brauner 1996: 83).
Die Digitalisierung der Bankdienstleistungen bedeutete bereits, daß Kunden er-höhte Transparenz bezüglich der Konditionen im Wettbewerb erhielten (Brauner 1996: 85). Die Virtualisierung bietet in dieser Hinsicht keinen weiteren Vorteil. Sie hat im Gegenteil eher den Nachteil, daß sie auf ein offenes Netz wie das Internet beschränkt ist. Bei Problemen in der Abwicklung von Geldgeschäften muß das per-sönliche Gespräch mit dem Berater in der Bankfiliale durch ein Telefongespräch per Bildtelefon oder - bei gegebener technologischer Infrastruktur - durch eine Internet- Konferenz ersetzt werden. Hieraus ergeben sich vor allem Probleme mit dem Vertrauen und der Kundenbindung.

Volle Sicherheit vor Datenkriminellen existiert auch beim virtuellen Banking nicht. Web- Browser können heute zwar Daten verschlüsselt übertragen, die Schwach-stelle liegt jedoch bei der Dateneingabe. Programmierer der First Virtual entwik-kelten ein Programm, das als Bildschirmschoner getarnt die Tastatur überwacht, die Eingabe von Ziffernfolgen erkennt und sie unbemerkt per E- mail verschickt (Bühl 1997: 247). Das Vertrauen in die virtuelle Bank wird hierdurch nicht unwe-sentlich geschwächt.

Die Entwicklung der Banken im Netz bietet auch Branchenfremden die Möglichkeit, im Internet eine Bank zu eröffnen. Tesco, der britische Marktführer unter den Su-


permarktketten, tritt beispielsweise bereits als Bank auf (infosat 2/ 99: 78) .
Gegenwärtig sind die virtuellen Banken an nationale Zentralbanksysteme gekop-pelt. Das Virtuelle liegt eher im Organisatorischen, z.B. den fehlenden Geschäfts-räumen. Über echtes virtuelles Banking könnte man jedoch erst sprechen, wenn die Internet- Banken vom Zahlungsverkehr und der Währungsausgabe der natio-nalen Banken abgekoppelt sind (Escher 1997: 7).

Das virtuelle Banking erregt in der Öffentlichkeit noch nicht so viel Aufmerksam-keit wie das virtuelle Shoppen. Die letzte fehlende Voraussetzung für die Kommer-zialisierung des Internet ist die Möglichkeit, sichere Zahlungen durchführen zu können, sowohl größere Beträge als auch Pfennigbeträge, sogenannte Micropay-ments (Birkelbach 1997: 150). Die Firmen, die im folgenden vorgestellt werden, haben sich zum Ziel gesetzt, genau diese Marktlücke zu schließen.

2.5.2 Digicash

"E- cash [...] promises to transform the Internet into a global mar-
ketplace for everything from magazine subscriptions to smoked
salmon."
Jason Forsythe, Journalist
(www.digicash.com/news/room/current.html)

DigiCash ist ein Konzept für digitales Geld. Die elektronischen Geldeinheiten kön-nen digital über das Netz verbreitet werden, so daß Waren oder Dienstleistungen unmittelbar damit bezahlt werden können.
Die niederländische Firma DigiCash des amerikanischen Kryptographie - Experten David Chaum entwickelte ein Verfahren, das dem frei fließenden Bargeld nachge-bildet ist. Wie echte Münzen oder Scheine gibt der Kunde das virtuelle Geld gleich an den Händler. Die Software für die verschlüsselten Geldüberweisungen von Rechner zu Rechner heißt e- cash (www.digicash.com/ecash.html).
Per Mausclick wird dem Händler der Kaufbetrag gutgeschrieben, eine sogenannte finale Zahlungsweise. Wie beim Bargeld bleibt der Kunde anonym: Weder Händler noch Bank wissen, wer den Kauf getätigt hat. Die Bank kann, wie bei der Barzah-lung, den Weg der Münzen nicht zurückverfolgen (Günzel 1998: 73). Genau diese Anonymität hebt DigiCash von seinen Wettbewerbern ab (Lynch 1996: 36).

Pilotprojekte mit e- cash: E- cash wird in den USA seit bereits 1995 getestet. Als erste Bank gab die Mark Twain Bank die elektronischen Dollars aus. Im Oktober 1997 startete die Deutsche Bank ein Pilotprojekt mit e- cash.
Form: Auf dem Computer- Monitor wird e- cash in Form von Münzen dargestellt. Die Größe des Betrages, den man online ausgeben möchte, spielt keine Rolle, so-fern das elektronische Konto gedeckt ist. Emittiert wird e- cash entweder von rea-len oder von virtuellen Banken.
Anonymität: Unter Verwendung des traditionellen Geldes bleibt der Käufer in der Regel anonym - außer bei Angabe einer Lieferadresse. Auch im Internet ist ein Verfahren entwickelt worden, daß die Anonymität des Kunden gewährleistet.
Blind signature: Mit Hilfe der 'blind signature' ist es dem Kunden möglich, anonym zu bleiben, ohne daß es zu Sicherheitsproblemen für den Zahlungsempfänger kommt. Das digitale Bankguthaben wird hierbei mit einem persönlichen Schlüssel codiert und der emittierenden Bank zur Validierung zurückgegeben. Nach der Ge-genzeichnung durch die Bank kann der Kunde im Internet Waren und Dienstlei-stungen beziehen, sofern der Händler e- cash akzeptiert. Der Händler sendet das ihm übertragene digitale Geld an die Bank zur Überprüfung; anschließend kann die Ware freigegeben werden(www.digicash.com/ecash.html).

2.5.2.1 Funktionsweise von e- cash
Genau wie Banknoten kann auch e- cash vom Konto abgehoben oder von einer Person zu einer anderen transferiert werden. Der Unterschied: Bei e- cash spielt die elektronische Bank eine wichtige Rolle.

Abb. 2.1: Einfaches Abheben von e- cash

Quelle: www.digicash.com

Zwei Teilnehmer nehmen an der Abheb- Transaktion teil, die Bank und der Kunde, Alice. Digitale Münzen werden von Alice's Konto abgehoben und auf ihren PC übertragen. Sobald sie angekommen sind, werden sie mit dem noch vorhandenen e- cash gespeichert. Dieser Vorgang erfolgt ohne physische Münzen. Die Nachricht enthält digitaler Stränge (strings of digits). Jeder string repräsentiert eine unter-schiedliche, digitale Münze, die einen bestimmten Wert hat, der von der Software der virtuellen Geldbörse erfaßt wird (www.digicash.com/ecash/docs/works).

Abb. 2.2: Einkaufen mit e- cash

Quelle: www.digicash.com

Alice hat nun e- cash auf ihrem PC und kann etwas aus Bobs Laden kaufen. Sie bekommt eine Zahlungsaufforderung, die sie mit ‚Ja' beantwortet. Die e- cash Software wählt aus der virtuellen Geldbörse die digitalen Münzen des gewünsch-ten Wertes aus und sendet sie zu Bob. Bob's Software schickt die erhaltenen Mün-zen automatisch zur Bank und wartet auf die Akzeptanzbestätigung. Dann sendet er Alice die Ware zuzüglich einer Quittung.
Um sicherzustellen, daß jede Münze nur einmal benutzt wird, speichert die Bank die Seriennummer jeder Münze in einer Datenbank (spent coin database). Ist die Münzenseriennummer bereits aufgenommen, versucht jemand also, sie ein zwei-tes Mal zu benutzen, informiert die Bank Bob, daß es sich um wertlose Kopien handelt (www.digicash.com/ecash/docs/works).

Abb. 2.3: Person- to Person Cash

Quelle: www.digicash.com

Wenn ein anderer Konsument e- cash erhalten soll, kann der Prozeß so gestaltet werden, als würde man einer anderen Person Bargeld in die Hand geben. Der ein-zige Unterschied zwischen der Zahlung von Alice an Cindy zu der vorhergehenden Zahlung ist das Procedere, nachdem die Bank die digitalen Münzen erhalten hat.
Cindy's Software bittet die Bank, die erhaltenen Münzen von ihrem PC abzuheben, zu prüfen und wieder zu ihr zu senden, sobald sie akzeptiert sind. Wenn Alice Cin-dy fünf Dollar überweist, kann Cindy dieses digitale Geld gleich verwenden (www.digicash.com/ecash/docs/works).

Abb. 2.4: Der Schutz der Privatsphäre

Quelle: www.digicash.com

Im ersten Beispiel hat die Bank neue digitale Münzen kreiert, sie mit einem spezi-ellen digitalen Stempel versehen und zu Alice geschickt. Dies versetzt die Bank in die Lage zu erkennen, welche Zahlungen von Alice an wen vorgenommen wurden. Das Prinzip der blind signature kann verhindern, daß die Bank die Münzen erken-nen und einer bestimmten Person zuordnen kann.
Anstatt der Bank kreiert Alice's Computer die Münzen selbst. Er versteckt eine Münze in einem digitalen Umschlag und sendet sie zur Bank. Die Bank hebt von Alice's Konto einen Dollar ab und versieht den Umschlag mit einer speziellen digi-talen Validation (‚worth- 1- $') wie mit einem Stempel, bevor der Umschlag zu Alice zurückgeschickt wird. Alice's Computer öffnet den Umschlag und hat eine digitale Münze eigener Wahl erhalten, versehen mit dem Gültigkeitssiegel der Bank.
Gibt Alice die Münze aus, erkennt die Bank das Siegel als gültig an, kann die Mün-ze jedoch keiner Person zuordnen. Die Bank kann verifizieren, daß sie die Unter-schrift geleistet hat, kann aber keine Verbindung zu einem Objekt oder einer Per-son ziehen (www.digicash.com/e-cash/docs/works).

Ein besonderer Vorteil der Cybergeld- Anwendung liegt in der unproblematischen und kostengünstigen Zahlung von Pfennigbeträgen, zu der sich Kreditkartenzah-lungen nicht eignen. Die Cybergeldzahlung erfolgt bargeldähnlich anonym und zweiseitig, also mit einer Privatperson als Zahlungsempfänger (Escher 1997: 5).
Der Vorteil von e- cash ist, daß sich auch niedrigpreisige Dienstleistungen über das Internet verkaufen lassen, die vorher wegen zu hoher Transaktionskosten nicht handelbar waren (Günzel 1998: 73).

Das im folgenden dargestellte System hat die Nische der Micropayments für sich erkannt und sich darauf spezialisiert.

2.5.3 Millicent

Das Millicent Microcommerce- System ermöglicht es, Inhalte über das Internet zu verkaufen, die nur 1/10 eines Cents oder mehr kosten. Mit Hilfe dieses Systems können Artikel einer Zeitung oder Songs einer CD separat verkauft werden.
Millicent benutzt für die Transaktionen elektronische Coupons, genannt scrip. Scrip kann sowohl Geld repräsentieren als auch zeitlich begrenzte Rechte an einem Abonnement oder freien Zugang zu bestimmten Inhalten im Netz. Das Millicent Wallet ist ein intelligenter Agent, der die Zahlungen vornimmt (www.millicent.digital.com/works/white_papers/publishing/index.html).

Der Millicent Server dokumentiert die Transaktionen im Netz auf einer Transaction Summary. Vollkommene Transparenz ist eines der Merkmale dieses Systems. Ein weiteres, in Deutschland zur Zeit das erfolgreichste System, soll im folgenden vor-gestellt werden.

2.5.4 CyberCash

Ähnlich wie die in Kapitel 2.5.2 vorgestellte Firma DigiCash bietet auch die Firma CyberCash GmbH in Deutschland 'virtuelles Geld' an. Die CyberCash GmbH ist eine Tochterfirma verschiedener Banken in Deutschland (u.a. der Dresdner Bank AG , die 40% der Anteile hält) und der US-amerikanischen Firma CyberCash Incorpo-rated, welche als Technologiepartner fungiert und ebenfalls 40% der Anteile inne-hat. Die Firma CyberCash Inc. wurde 1994 in Reston, Virginia USA, gegründet und kann 80% der Banken in den USA zu ihren Kunden zählen. Um sich dem Cyber-Cash-System anzuschließen, muß eine Bank nicht zu den Gesellschaftern zählen; Lizenzen zur Nutzung werden an alle interessierten Banken abgegeben (Günzel 1998: 74).

Das CyberCash-System umfaßt drei Zahlungsdienstleistungen, das Kreditkarten-Bezahlverfahren, das Electronic Direct Debit (EDD), welches mit dem EC-Karten-Bezahlverfahren vergleichbar arbeitet und deswegen hier keine weitere Beachtung finden soll, und das CyberCoin-Bezahlverfahren. Die ersten beiden Zahlungsmög-lichkeiten können zu den konventionellen, die letzere - wie auch DigiCash - zu den virtuellen Zahlungsformen gerechnet werden, wobei auch hier natürlich letztend-lich auf das ‚echte' Bankkonto zurückgegriffen und damit der Begriff 'virtuell' rela-tiviert wird.
Die an das CyberCash-System angeschlossenen Händler müssen eine Transakti-ons- sowie eine Registrierungsgebühr zahlen, welche die Nutzung der Software für die CyberCash- Kasse abdeckt. Für die Kunden ist die Nutzung der Software sowie die der elektronische Geldbörse (Wallet) kostenlos (www.cybercash.de).

2.5.4.1 Funktionsweise von CyberCash
Um das System des CyberCash verständlich darlegen zu können, ist es sinnvoll, die drei Komponenten des Systems - das Wallet, CashRegister und CyberCash-Gateway - kurz zu erläutern. Alle drei Komponenten protokollieren die ein- und ausgehenden Meldungen, die Transaktionen können also später nachvollzogen werden.

1. Das Wallet ist die Elektronische Geldbörse des Kunden, hier werden die Zah-lungsmittel gesammelt und verwaltet. Die auf dem Wallet gespeicherten Daten sind durch Verschlüsselung geschützt und nur auf dem eigenen PC, nicht in ei-ner zentralen Datenbank gespeichert.
2. Das CashRegister beinhaltet die Software für den Händler. Eingehende Mit-teilungen des Kunden sind verschlüsselt und somit nicht lesbar. Das CashRegi-ster kommuniziert mit dem Kundenwallet und mit dem CyberCash-Gateway-Server. Bei Bedarf besteht die Möglichkeit der Anonymität des Kunden bei Ver-schweigen des Namen und der Lieferadresse (dies ist z.B. bei 'Softgoods' - di-gitalisierbaren Gütern - gut möglich).
3. Das CyberCash-Gateway beinhaltet die Serverfunktion des Zahlungs-systems, alle Transaktionen laufen über das Gateway. Hier werden Nachrichten und Datenpakete entschlüsselt und Kunden sowie Händler authentifiziert (Gün-zel 1998: 75).

CyberCoin gibt Kunden und Händlern die Möglichkeit, Zahlungen im Micropaymen-Bereich zu tätigen bzw. zu empfangen. Ab dem Betrag von 0,05 DM kann bezahlt werden. Das Aufladen der elektronischen Geldbörse per Internet ist Voraussetzung für einen Einkauf mit CyberCoin, danach ist der Einkauf mit CyberCoin möglich. Die Darstellung dieser beiden Vorgänge soll folgend kurz in einzelnen Schritten anhand einer Skizze beschrieben werden.

Abb. 2.5: Ablaufplan des Ladevorganges

Quelle: www.cybercash.de

Aufladen des Wallets mit CyberCoin
Schritt 1
Der Kunde öffnet das Wallet und gibt den Betrag an, den er von seinem
Kontokorrent-Konto (KK) übertragen möchte; das Datenpaket wird verschlüsselt und an den Gateway übertragen. Die Daten werden durch Sicherungsmechanis-men geschleust und überprüft, nach erfolgreicher Prüfung werden die Daten an die Bank überspielt.

Schritt 2
Der CyberCoin Betrag wird dem Wallet des Kunden gutgeschrieben.
Schritt 3
Weiterleitung der Zahlungsaufträge an das Kreditinstitut, welches Schattenkonto (agency account) führt.
Schritt 4
Falls der Kunde sein KK-Konto bei einer an CyberCash angeschlossenen Bank führt, wird der Geldbetrag per Lastschriftverfahren eingezogen, sonst erfolgt eine direkte Belastung des Girokontos und Gutschrift auf Schattenkonto.

Abb. 2.6: Ablaufplan des Bezahlvorganges

Quelle: www.cybercash.de

Kauf eines "Softgutes" mittels CyberCoin
Schritt 1
Der Händler überträgt das Gut an den Käufer, da es jedoch verschlüsselt ist, kann der Kunde es noch nicht nutzen.
Schritt 2
Per Mausklick bestätigt Kunde die Zahlungsanforderung, die Zahlungsdaten wer-den verschlüsselt an den Händler übertragen.
Schritt 3
Die Daten des Händlers werden zu den verschlüsselten Daten des Kunden gefügt und als gesamtes Datenpaket an das Gateway übertragen. Die Daten werden durch Sicherungsmechanismen geschleust und vom Gateway entschlüsselt. Falls es zu Abweichungen der Daten kommt, wird die Transaktion abgelehnt.
Schritt 4
Bei korrekten Daten wird der entsprechende CyberCoin-Betrag vom Schattenkonto des Kunden auf das Schattenkonto des Händlers überwiesen, der Händler erhält eine ‚Bezahlt' Meldung.
Schritt 5
Der Kunde bekommt vom Händler Nachricht, daß die Transaktion erfolgt ist und erhält den Schlüssel, um das Gut zu entschlüsseln und nutzen zu können
(www.cybercash.de/ products/cybercoin.html).

2.5.4.2 Sicherheitsmerkmale von CyberCash
Bei allen Bezahlvorgängen im Internet ist besonders auf Kundenseite eine große Unsicherheit vorhanden, inwieweit die Daten geschützt sind und ob der Zugriff auf die eigenen Geldmittel geschützt ist. Bei der Nutzung von CyberCash kann es laut Angaben der Firmen nicht zu Geldverlusten kommen, da die Kundenguthaben auf dem Gateway mitgeführt werden. Bei einem Zusammenbruch der Festplatte oder einem Defekt des Wallet kann durch das Gateway das Guthaben festgestellt und erstattet werden, es kann nachvollzogen werden, bei welchem Händler wieviel Geld ausgegeben, jedoch nicht, was gekauft wurde. Hier geht die Sicherheit vor der Anonymität, wobei deutlich wird, daß es immer noch nicht gelungen ist, diese beiden Aspekte zu garantieren (Günzel 1998: 75).

Weitere Sicherheitsmerkmale sind:
1. Verschlüsselung aller relevanter Daten - auch Händlerdaten
Sowohl die Daten, die im Wallet auf der Festplatte des Kunden PC gespeichert werden, sind verschlüsselt, als auch alle Meldungen, die von den einzelnen Sy-stemen verschickt werden. Die Händlersoftware kann die Mitteilung des Wallets nicht entschlüsseln.
2. Sicherung der Sperrung des Kundenwallets nach Nutzung
Das Wallet ist dagegen gesichert, daß der Kunde vergißt, es nach einer Trans-aktion wieder zu sperren.
3. Nur bestimmte Anzahl von Transaktionen zu festgesetztem Betrag möglich
Innerhalb einer Online-Sitzung ist nur eine bestimmt Anzahl von Transaktionen bzw. Transaktionen im Rahmen eines festgesetzten Gesamtbetrages möglich.

4. Verifications-ID (VID)
Die VID wird bei Installation der Software vom Kunden erstellt und verschlüs-selt an das Gateway übertragen. So ist es möglich, nach einem Festplatten-Crash oder bei Verlust des Paßwortes alle Geldbeträge, die im Wallet enthalten sind auf ein Konto des Kunden zu erstatten und das Wallet zu sperren. Kom-munikation findet in diesem Fall über das Telefon statt, die Sperrung des Wal-lets ist nur einmal möglich.
5. Protokollierung der ausgehenden Meldungen
Dies geschieht auf verschiedenen Ebenen. Das Wallet, CashRegister und das Gateway protokollieren alle ausgehenden und eingehenden Meldungen, die Transaktionen sind bei Bedarf zu späterem Zeitpunkt nachvollziehbar.
6. Sicherheitsstufen - Advanced Routers, Firewalls, Preprocessing Computer
und Verschlüsselung
Advanced Routers filtern den Internet-Verkehr auf Unregelmäßigkeiten oder zweifelhafte Herkunft, Firewalls sind künstliche Brandmauern, die die Netze der CyberCash GmbH gegen alle anderen abschirmen. Der Preprocessing Computer prüft die Transaktionen auf Wahrheits- und Richtigkeitsgehalt und soll verhin-dern, daß durch Fehler in der Software vertrauliche Daten publik werden. Die Verschlüsselung authentifiziert den Kunden und die vom Kunden stammende Meldung durch einen 'Schlüssel'.
7. Session-Key
Der im letzen Absatz genannte Schlüssel ist als Session-Key angelegt, d.h. für einen Angriff inklusive abfangen, hacken und modifizieren bleiben genau 20 Sekunden, danach verfällt der Key und die Transaktion wird nicht ausgeführt (www.dresdner-bank.de).

Die zahlreichen Möglichkeiten, die sich durch e- cash, Millicent oder Cybercoins auftun, dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß mit dem virtuellen Geld auch Risiken verbunden sind. Um die Gefahren des virtuellen Geldes geht es im folgen-den Kapitel.


2.5.5 Gefahren des virtuellen Geldes
"Die Katastrophe kam über Nacht. Als sich Fritz Freak morgens per Heim-computer ins Internet einklinkte, fiel ihm vor Schreck die Maus vom Tisch. Sein ganzes Guthaben an Elektronischem Geld - immerhin 1245 Cyber-bucks - war weg, einfach verschwunden. Ein rascher Rundruf ergab: Freaks Freunde hatte ein ähnliches Mißgeschick ereilt. Wenig später lief die Schreckensmeldung um den Globus. Ein von unbekannten Tätern in das internationale Computernetz eingeschleuster Virus hatte sämtliche dort umlaufenden Zahlungsmittel zerstört. Das Finanzchaos breitete sich in Lichtgeschwindigkeit weltweit aus: Reihenweise gingen Firmen pleite, Be-nutzer warfen ihre PC's aus dem Fenster...."
(Bühl 1997:249)

Virtuelles Geld birgt potentielle Risiken. Zum einen kann ein rasches und unkon-trolliertes Wachstum eigenständiger Geldsysteme das Währungsgefüge gefähr-den ; Fälschungen, systemfehlerbedingte Falschbuchungen oder der Zusammen-bruch von Emittenten können zum Zusammenbruch des Zahlungsverkehrs führen, außerdem sind Möglichkeiten zur Geldwäsche gegeben, wenn Nichtbanken oder Banken, die keiner qualifizierten Aufsicht unterliegen, Geld emittieren. Eine Be-grenzung der Risiken könnte über eine Beschränkung der Herausgabe von e- cash auf Banken, die von der inländischen Bankenaufsicht überwacht werden, vorge-nommen werden. Auf internationaler Ebene müssen Zentralbanken und Aufsichts-behörden kooperieren (Bühl 1997: 255).

Theoretisch könnte jedermann eigene digitale Münzen prägen und im Cyberspace anbieten. Eine Art Parallelwährung stellen auch digitale Rabattmarken von Unter-nehmen dar. Der Alptraum für Notenbanker: Microsoft wird mit "Microdollars" zur größten Bank der Welt (Bühl 1997: 256) .

Eine Gefahr stellt virtuelles Geld für die Vormachtstellung der Banken dar. "Cyber-space is authorities's worst nightmare." (www.billyidol.com/cyber.htm) sagt schon Sänger Billy Idol; Thomas Stoll, Redakteur beim Wirtschaftsmagazin Capital for-muliert es folgendermaßen: "Die traditionellen Steuerungsinstrumente der Bun-desbank - Bargeldversorgung und Mindestreserve - greifen nicht mehr, wenn jeder eine eigene Bank aufmachen und Cybergeld prägen kann. [...] Die Wechselkurse zwischen den verschiedenen Cyberwährungen bilden sich an einer Computerbörse im Internet" (Birkelbach 1998: 150).
Viele Dienstleistungen der Banken könne im Zeitalter des virtuellen Geldes auch von anderen Unternehmen übernommen werden: "Banking braucht jeder, aber nicht Banken" (Bühl 1997: 257). Ein Argument der Banken im Kampf um die Mo-nopolstellung ist, dem Vertrauen in Zahlungsverkehrssysteme und in geldpolitische Stabilität höheren Wert beizumessen. Die Banken reagieren auf die Bedrohung mit einer Doppelstrategie. Zum einen nutzen sie ihre gesellschaftliche Machtstellung, um den Prozeß der Virtualisierung des Geldes regulierend zu gestalten, zum an-deren gebrauchen sie ihre ökonomische Position, um sich entscheidende Markt-anteile im Vorfeld zu sichern (Bühl 1997: 258). Potentielle Konkurrenten versu-chen die Banken per Gesetzgebungsverfahren auszuschalten. Ihren Einfluß im realen Raum transferieren sie in den virtuellen Raum, um auch dort die struktur-bildende und -bestimmende Kraft im Geldwesen zu sein.

Die Ökonomie der virtuellen Gesellschaft wird kaum jeden Netizen zu seiner eige-nen Bank machen. Die Virtualisierung des Geldes dient den Banken eher zur Ra-tionalisierung ihrer Infrastruktur im Bereich transaktionsorientierter Bankgeschäf-te.
Viele offene Fragen zu den virtuellen Währungen existieren noch im juristischen Bereich. Einige davon sollen im folgenden Kapitel kurz vorgestellt werden.

2.5.6 Rechtsfragen des elektronischen Geldes im Internet
Die Frage nach der Rechtsnatur des elektronischen Geldes stellt sich aus Sicht der emittierenden Bank, für die der Zahlungsvorgang anonym ist und sich auf die Überprüfung der "digitalen Seriennummer" (double spending protection) be-schränkt, ebenso wie aus Sicht des Bankkunden, der beim Abruf digitalen Geldes die Frage stellt, was er erhalten hat: eine Forderung, eine Sache oder einen im-materiellen Vermögenswert (Escher 1998: 11).

Bei näherer Betrachtung wird man feststellen, daß die Rechtsnatur des elektroni-schen Geldes der Rechtsnatur von Wertpapieren ähnelt. Bei der Übertragung der Daten autorisiert der Käufer seinen Verkäufer durch eine Erklärung und durch die Übertragung der Daten via Internet zum Empfang des Geldes. Dies ist eine struk-turelle Ähnlichkeit zum Übereignungsvorgang nach § 929 BGB, nach der auch Wertpapier übereignet wird. Weitere Gemeinsamkeit ist das Pool- Konto: Die Bank steht nicht dem konkreten Kunden, sondern dem Inhaber der Daten gegenüber in der Pflicht (Escher 1998: 12).
Unter Berücksichtigung der strukturellen Ähnlichkeiten denkt die Bundesregierung an die Begriffsbildung ‚Wertdaten' in Anlehnung an ‚Wertpapier'. Auf die Ausübung der Rechte aus den ‚Wertdaten' werden einstweilen die passenden Vorschriften des Wertpapierrechts nach §§ 793 ff BGB analog angewendet (Escher 1998: 12).

Das elektronische Geld kommt mit dem deutschen Notenbankrecht derzeit nicht in Konflikt. Unter einer Währung versteht man die staatliche Geldordnung im Sinne eines staatlichen Geldsystems, das auf einer gesetzlich bestimmten Rechnungs-einheit für ein Währungsgebiet aufbaut. Mit der Verwendung digitaler Münzen wird noch keine neue Währung geschaffen. Die Ausgabe digitaler Münzen verstößt nicht gegen das Notenausgabemonopol der Deutschen Bundesbank gemäß § 14 Abs. 1 Satz 1 BBankG. Digitales Geld ist damit kein Bargeld, sondern "bares Geld" (Escher 1998: 15).
Genau diese Definition führt aber zu Mißbrauch in bezug auf die Geldwäsche. Kre-ditinstitute haben nach § 2 Abs. 1 GwG eine Identifizierungs- und Meldepflicht bei Bargeldauszahlungen von DM 20.000,-- oder mehr. Das Geldwäschegesetz ver-folgt den Zweck, bei anonymen, bedeutsamen Bargeldströmen die beteiligten Per-sonen feststellen zu können. Der derzeit geltende Wortlaut stellt auf die "Annahme oder Abgabe von Bargeld" ab, so daß die Abgabe oder Annahme digitalen Geldes nicht unter diesen Wortlaut fällt (Escher 1998: 16).
Auch, wenn viele rechtliche Fragen noch offen sind, erfreut sich der E- Commerce wachsender Beliebtheit. Das Einkaufen im Netz, durchaus auch mit konventionel-len Zahlungsformen, soll dieses zweite Kapitel zum Cybercash abschließen.


2.6 Cybershopping - Einkaufen im Netz

"Für den Verkauf in Online-Shops sind vor allem Waren geeignet, über die
sich der Käufer bereits im Netz ausreichend informieren kann. Wenn je-doch ein physisches Erlebnis für die Kaufentscheidung ausschlaggebend ist, ist das Internet nicht der richtige Verkaufsort."
(Brandes in Bühl 1997:244)

Im Netz gibt es nichts, was es nicht gibt. Alle nur vorstellbaren Produkte, Waren und Dienstleistungen kann man nach einer mehr oder weniger langen Suche aus-findig machen, alle großen Kauf- sowie Versandhäuser sind im Internet vertreten. Nach den Prognosen vieler Studien wird das Einkaufen im Internet eine enorme Steigerung erfahren und einen neuen Markt bieten. Fraglich ist, ob das Internet den Einzelhandel verdrängen kann.
Diesem prognostizierten (Alb-)traum liegen jedoch noch einige Steine im Weg; besonders die Probleme mit der Sicherheit des Bezahlens - wie auch schon in die-ser Arbeit angesprochen - sollten nicht unterschätzt werden. Die Beträge, die jähr-lich durch das Internet-Shoppen ausgegeben werden, liegen noch verhältnismäßig tief: laut einem Bericht im Focus 50/1998 haben im Jahr 1997 die privaten Inter-net-Shopper durchschnittlich DM 490, Firmen DM 1330 im Netz ausgegeben. Pro-gnostiziert wurde in diesem Bericht auch, daß die Zahlen von 666 Millionen DM 1997 auf mehr als 20 Milliarden Mark im Jahr 2001 steigen sollen (Müller 1998: 34).

Viele verschiedene Studien sind zu der Nutzung und zum Shopping-Verhalten im Internet erschienen, exemplarisch sollen hier nur einige herausgegriffen werden. Eine Umfrage des Bundesverbandes Informations- und Kommunikations-Systeme e.V. (BVB) und des Magazins WirtschaftsWoche besagen, daß fast 80 % der Be-fragten ihre Produkte über das Internet anbieten, jedoch eher im Business-to-Business Bereich, nur 20 % der Befragten wenden sich direkt an den Endverbrau-cher, Stand der Umfrage: 20.3.1998 (www.zdnet.de/news/artikel/1998/03/20018-wc.htm).
Eine Studie der Lufthansa-Tochtergesellschaft Lufthansa AirPlus Servicekarten sagt aus, daß Deutschland bis zum Jahr 2000 in Europa erstmals die Führungsrolle beim Electronic Commerce übernehmen soll. Nach Prognosen sollen die bundes-weiten Waren und Dienstleistungen im Wert von Rund DM 6,9 Milliarden über das Netz verkauft werden, Deutschland würde damit vor Großbritannien (DM 6,8 Milli-arden), den skandinavischen Ländern (DM 3,6 Milliarden) und Frankreich (DM 3,2 Milliarden) liegen. Der Großteil des Geschäftsverkehrs wird jedoch auf Firmen fal-len, nicht auf Privathaushalte (www.zdnet.de/news/artikel/1998/12/07012-wc.htm).
Die Studie ‚Online-Shops: Nutzung von Zahlungssystemen' der Extranet-Betreibergesellschaft Intouch in Bad Homburg vom 16. April 1998 hat ein Ranking der benutzten Zahlungssysteme aufgestellt. An erster Stelle steht der Versand auf Rechnung (65%), gefolgt von der Bezahlung per Nachnahme (40%), dicht dahin-ter folgen die Kreditkarte (39%) und die Vorkasse (37%), das Schlußlicht bildet die Lastschrift (13%). Denkbare Gründe für das Fehlen der virtuellen Zahlungs-möglichkeiten in der Auflistung sind einerseits die zu dem Zeitpunkt der Studie noch nicht abgeschlossenen Testphasen des virtuellen Geldes, sowie die viel klei-neren Beträge, die durch virtuelles Geld beglichen werden. Auch denkbar ist, daß sich das virtuelle Geld bisher so schleppend durchgesetzt hat - Zahlen für Deutschland waren leider noch nicht zugänglich -, daß es nicht für die Auflistung gereicht hat.
Als ein entscheidender Grund für die allgemeine Zurückhaltung beim Internet-Shoppen wurde auch hier die mangelnde Sicherheit genannt; die Verbraucher wünschen sich zu 93% höhere Sicherheitsstandards im WWW (www.horizont.de/newsline/IN_3525.html).
Die Vorteile des Internet-Shoppen wurden bei einer Umfrage unter 7445 deutsch-sprachigen WWW-Nutzern wie folgt dargelegt: tiefere Preise, Unabhängikeit von Ladenöffnungszeiten, kein Einkaufsstreß (durch Parkprobleme o.ä.), Zeitersparnis, direkter Kontakt zum Anbieter, ausführliche Produktinformationen und die Mög-lichkeiten des direkten Anbietervergleiches. Diese Vorteile nützen jedoch nichts, wenn man das Einkaufserlebnis sucht, d.h. des Einkaufenwillens einkauft. Zum Stöbern und Bummeln ist das Netz nicht geeignet, wohl aber, wenn man eine ge-naue Vorstellung hat und genau weiß, was man möchte - und es dann im Internet sogar vielleicht preiswerter erwerben kann (www.visitor.unibe.ch/~media/sum-mer97/970429.htm).
Momentan wirkt das Einkaufen per Mausklick noch eher wie ein Spiel und kann bequem bestimmte Artikel - insbesondere Bücher und Software - ohne großen Aufwand in die Haushalte bringen. Andere Artikel und die Begeisterung, diese per Internet zu kaufen, lassen noch auf sich warten. Der konventionelle Gang in die Stadt läuft momentan noch nicht Gefahr, verdrängt zu werden. Durch den Einsatz von Virtual Reality kann jedoch schon ein dreidimensionales Erlebnis geschaffen werden, das von der augenblicklichen Situation, die eher mit dem Katalogeinkauf vergleichbar ist, durch ein gesteigertes Erlebniswertgefühl beim Einkaufenl noch wesentlich verbessert werden kann.

Digitalisierung und Virtualisierung haben das Geld zum virtuellen Zahlungsmittel entwickelt. Dies bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Struk-turen und Prozesse. Im dritten Kapitel soll diesen Entwicklungen nachgegangen werden.


III Cybersociety: Auswirkungen der Digitalisie-
rung und Virtualisierung auf die Gesellschaft

Cybercash ist nur ein Aspekt im umfassenden Prozeß der Digitalisierung und Vir-tualisierung unserer Gesellschaft. Weitere ökonomische Aspekte, wie zum Beispiel die virtuelle Unternehmung oder die virtuelle Distribution, werden im folgenden exemplarisch dargestellt. Anschließend soll der Frage nachgegangen werden, wel-cher Stellenwert Cybercash überhaupt in der Cybersociety zukommt. Die Informa-tion gewinnt zunehmend ökonomische Dimensionen. Entsteht eine neue Währung im Cyberspace?

3.1 Cyberökonomie

Es hat nicht lange gedauert und das Internet hatte neben der Funktion, Wissen abrufbar zu machen, auch noch eine ökonomische Funktion. Mit dem Internet kann viel Geld verdient werden. Ganze Unternehmen arbeiten mit und durch das Internet oder lassen zumindest Teilbereiche durch Telearbeit durchführen und bieten ihre Distribution via Internet an.

In dem Buch 'Die virtuelle Gesellschaft: Ökonomie, Politik und Kultur im Zeichen des Cyberspace' sagt Achim Bühl einen fundamentalen Paradigmenwechsel in den Wirtschaftswissenschaften, sowie in den Betrieben voraus. Das Internet als ‚Ge-schäft von Morgen' ist längst erkannt, und die Datenautobahn entwickelt sich zu einem der größten und lukrativsten Geschäfte auf einem wichtigen Markt. Der Multimedia-Boom ist nicht nur ein Zugewinn für die Informationsgesellschaft, son-dern wird in erster Linie vom ökonomischem Interesse bestimmt (Bühl 1997: 211ff.).

Im folgenden sollen die virtuelle Unternehmung und die virtuelle Distribution als Teilaspekte der Cyberökonomie vorgestellt werden.

3.1.1 Die virtuelle Unternehmung
Unternehmen bieten nicht nur ihre Waren und Dienstleistungen an, sie verlagern auch Arbeit in das Netz und werden teilweise zu virtuellen Unternehmen.
Durch die Etablierung von virtuellen Unternehmen wird die Telearbeit ein großer Bestandteil dieser Unternehmensform, Arbeitsplätze werden somit in alle Länder verlegbar, was auch schon heute teilweise der Fall ist. Problem hierbei ist jedoch die Auflösung des klassischen Betriebes sowie der Arbeitsorganisation. Als mögli-che Formen der virtuellen Unternehmen zählt Bühl folgende Formen auf: Unter-nehmen können rein virtueller Natur sein oder über Unternehmensgrenzen hinweg ein Instrument auf Zeit. Weiterhin besteht die Möglichkeit der virtuellen Strukturen bei Projekten, die Verbindung von räumlicher Tätigkeit und Telearbeit oder virtu-elles Anbieten von Dienstleitungen über das WorldWideWeb. Das 'Ideal' einer vir-tuellen Unternehmung sieht Bühl in einem Unternehmen, welches weltweit ver-treten und mit umfassenden virtuellen Bürostrukturen ausgestattet ist, bei der der Firmensitz im Netz eine größere Rolle spielt als die tatsächliche Adresse. Im Pro-duktionsbereich wird die Technologie der Virtual Reality eingesetzt und der rele-vante Teil der Arbeit wird durch Telearbeit ausgeführt. Ersparnisse sind bei diesen Formen vor allem bei der Miete, den Personalkosten und Sozialabgaben gewon-nen. Dennoch können online, auch kurzfristig, viele Telearbeiter angeboten wer-den (Bühl 1997:218ff.).

Die schon angesprochenen Probleme mit dem Zerfall des klassischen Betriebes und der Arbeitsorganisation hat auch das ‚Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung' aufgegriffen und einige Charakteristika der Arbeit der Informationsgesellschaft aufgelistet:
1. Arbeit für die Masse der Bevölkerung wird es nicht mehr geben.
2. Arbeit wird von immer mehr zeitlich begrenzten Beschäftigten geleistet.
3. Die Schere zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit weitet sich.
4. Weite Teile der Beschäftigten werden marginalisiert (Bühl 1998:227).
Dies können positive Perspektiven für Leute sein, die sich selbständig machen möchten, Probleme werden die Menschen mit dieser Form von Arbeit haben, die nach Sicherheit streben. Diese Arbeitsform verlangt einen hohen Grad an Flexibi-lität und bietet neben der Unabhängigkeit eine große Unsicherheit, gerade für ältere Mitmenschen und auch für Menschen, die für andere Verantwortung tragen. Dies wird deutlich, wenn man den Prozeß der Virtualisierung einer betrieblichen Unternehmung betrachtet, was Bühl anhand einer Tabelle aufzeigt, die jedoch für sich spricht und nicht ausführlich erläutert werden soll.


Prozeß der Virtualisierung einer betrieblichen Unternehmung
BEREICH CHARAKERISTIKA
Mitarbeiter Interne und externe MitarbeiterInnen, hohes Maß an Flexibilisierung, neben Stammbelegschaft mehr Tele-worker und Tele-Subunternehmer hinzugezogen
Produktion VR-gestützte Produktionsverfahren, virtuelle Stimula-tionen, just-in-time-Produktion
Marketing virtuelle Produkte, Interaktivität mit dem Kunden
Management Schlankes Management, hohe Bedeutung von Projekt-planung und Projektdurchführung
Rationalisierungs-
konzepte Lean Office, Lean Management, Lean Production, Reengineering, Workflow
Technologie Virtual Reality, Multimedia, Videokonferenzsysteme, Client-Server-Architekturen, globale Vernetzung
Organisations-
strukturen hohe Bedeutung von virtuellen Teams und Virtual Corporations im engeren Sinne
(nach Bühl 1997: 227f.)
Insgesamt kann dies als Rationalisierungsprozeß bezeichnet werden und bringt u.a. die schon erwähnte Auflösung des klassischen Betriebes mit sich; betriebliche Aufgaben werden zunehmend an virtuelle Teams übergeben. Tendenziell bedeutet es den Verfall der klassischen Industriegesellschaft, die Trennung zwischen Ar-beits- und Freizeit, Wohn- und Arbeitsplatz entfällt und geht im virtuellen Raum auf. Als weitere Probleme der Virtualisierung der Unternehmen können die Ar-beitsschutzbestimmungen sowie das Arbeits- und Sozialrecht genannt werden, für die es im weltweiten Netz noch keine detaillierten Auflagen gibt.

3.1.2 Die virtuelle Distribution
Handelt es sich bei einer Unternehmung um einen virtuellen Betrieb, so sucht der Kunde gezielt Angebote im Internet. Der virtuelle Vertrieb läuft in der Regel etwas anders ab als der 'normale' oder 'reale' Vertrieb, anhand eines Ablaufschemas von Bühl soll dies hier kurz gezeigt werden. Das Internet macht einen umfassenden Informationsaustausch zwischen Kunde und Verkäufern möglich.


Abb. 3.1: Ablaufschema des virtuellen Vertriebs

(Bühl 1997:232)
Das Internet ist ein stark umkämpfter Markt, auf dem ein harter Wettbewerb ge-führt wird, und den nur derjenige überleben kann, der "die persönlichen Wünsche jedes einzelnen Kunden günstig und mit herausragendem Service erfüllt" (Rogers, zitiert in Müller 1998:34).
Gerade der Direktkontakt ist wichtiger Bestandteil des virtuellen Vertriebes und ein grundlegender Unterschied zum herkömmlichen Vertrieb. Dies scheint auch eine Veränderung des Marketing mit sich zu bringen, da die Kunden viel gezielter und persönlicher angesprochen werden können. Ein Konzept, das auf dieser Idee be-ruht, ist das 'Konzept des Marketing in Echtzeit' nach dem US-amerikanischen Unternehmensberater McKenna. Der Kunde befindet sich im ständigen Dialog mit dem Hersteller, er ist nicht mehr länger Marketingziel, sondern aktiver Partner, besonders für die Produktentwicklung. Diese Art des Marketing kann die Massen-werbung durch One-to-One Marketing ersetzen.
Bei der traditionellen Distribution erhält der Konsument seine Waren durch den Groß- und Einzelhandel, er hat keinen Bezug zu dem Produzenten. Bei der virtuel-len Distribution dagegen gibt es einen direkten Kontakt zwischen Produzent und Konsument; Groß- und Einzelhandel können bei diesem Modell umgangen werden.


Abb. 3.2: Virtualisierung der Handelsstrukturen

(Bühl 1997:235)
Dies kann einerseits zu einem Nachteil der Einzelhändler werden, wenn ihre Dien-ste durch das Internet umgangen werden können und die Konsumenten durch die direkte Bestellung sogar meist noch günstiger die gewünschte Ware erhalten. An-dererseits ist es eine Möglichkeit für den Kunden, seine Waren auch sicher aus der richtigen 'Quelle' zu bekommen. Ein Beispiel hierfür nannte Bühl mit Darjeeling Tee, von dem jährlich 40.000 Tonnen verkauft werden, obwohl nur 10.000 Ton-nen produziert wurden. Hier hat der Konsument eine gute Möglichkeit, günstig und vor allem sicher einzukaufen (Bühl 1997: 236).

Nachdem am Beispiel der virtuellen Unternehmung und der virtuellen Distribution einige Aspekte der Cyberökonomie angesprochen wurden, die durchaus auch ge-sellschaftliche Veränderungen nach sich ziehen, soll im folgenden noch einmal die Rolle von Geld beziehungsweise Cybercash in der Cybersociety hinterfragt werden.


3.2 Die Rolle des Geldes in unterschiedlichen Gesell-
schaftsentwürfen

In unserer Gesellschaft spielt Geld eine entscheidende Rolle. Doch in vielen ande-ren Gesellschaftsentwürfen wird die Bedeutung des Geldes relativiert. Andere Din-ge treten in den Vordergrund.


Thomas Morus schrieb 1516 das "wahrhaft goldene Büchlein von der besten Staatsverfassung und von der neuen Insel Utopia" (Morus 1997: 1). Der Überfluß an allen Lebensbedürfnissen kommt dort allen gleichmäßig zugute. Die Stadt hat zwar Geld in den Kassen, dieses wird jedoch für den Fall einer Kriegssituation auf-bewahrt; Soldaten aus dem Ausland werden für hohen Sold angeworben, damit die eigenen Bürger der Gefahr nicht ausgesetzt werden. Auf Gold und Silber legen die Menschen keinen Wert. Aus Gold und Silber werden für niedrigste Zwecke be-stimmte Gefäße angefertigt sowie Ketten und Fußschellen zur Fesselung der Skla-ven. Verbrechern wird goldener Schmuck angelegt, um Gold und Silber in Verruf zu bringen (Morus 1997: 53).

Im Cyberspace und in der Cybersociety spielt Geld nur insofern eine Rolle, als daß sich diese Gesellschaft rückbezieht auf unsere Verhältnisse. Ein reines Abbild un-serer Gesellschaft in einem neuen Medium ändert auch nichts an Wertvorstellun-gen. Doch im Cyberspace von William Gibson, in dem man sich frei macht, von dem, was um einen herum geschieht, in diesem Cyberspace wird dem Geld keine Bedeutung mehr geschenkt. Die neue Währung im Cyberspace heißt 'Information'.
Der Cyberspace im Sinne Gibsons soll den Punkt andeuten, "an dem Medien zu-sammen[fließen] und uns überall umgeben. Das alltägliche Leben wird darin wei-testgehend ausgeblendet. In dem Cyberspace wie ich ihn beschreibe, kann man sich buchstäblich in Medien einhüllen und muß nicht sehen, was sich tatsächlich um einen herum abspielt." (William Gibson zitiert nach Woolley 1994: 133).

Gibsons Cyberpunkroman "Neuromancer" erzählt vom Cyberpunk Case, der von einer künstlichen Intelligenz beauftragt wird, eine andere künstliche Intelligenz zu eliminieren. In diesem Roman gibt es eine Papierwährung, den ‚Neuen Yen'. Ge-schäfte mit Bargeld sind jedoch schwierig abzuwickeln, in Japan sind sie bereits verboten. Alternativ existieren Bankchips, wie z.B. der Mitsubishi Bank Chip. Ope-rationen in der Matrix werden gut bezahlt, das Geld wird auf ein Genfer Num-mernkonto überwiesen. Dieses Geld wird dazu verwandt, Operationen zu bezah-len, wie z.B. für den Einsatz einer neuen Bauchspeicheldrüse oder einer neuen Leber, und, um Hardware zu kaufen (Gibson 1997: 34 f.).

Auch im Cyberpunk- Rollenspiel "Shadowrun" spielt Geld eine nur untergeordnete Rolle. Im Jahr 2053 haben die Menschen mit Hilfe von Cyberware die natürlichen
Beschränkungen des Körpers hinter sich gelassen. Megakonzerne beherrschen die Welt, in deren Datenbanken hochbezahlte Decker nach der einzigen Ware suchen, die von Wert ist: Information.
Der Geldwert entspricht einer internationalen Verrechnungseinheit, dem Nuyen. Nuyen dienen hauptsächlich dazu, Cyberware, Ausrüstung und Extras zu erwerben (Shadowrun 1993: 45).
Informationen sind in diesem Spiel der bedeutendste industrielle Sektor auf der Welt. Der Markt lauert stets auf Informationen, die einen Manager belasten oder einen Wettbewerbsvorteil in der Forschung und Entwicklung beschaffen. Finan-zunterlagen sind besonders interessant für Datenhaie; Milliarden von Nuyen exi-stieren nur als Daten, und wie alle Daten können sie gelöscht, modifiziert oder übertragen werden (Shadowrun 1993: 162).


3.3 Gesellschaftsentwurf Cyburbia: Cybercash im
Cyberspace?

"In the information age, knowledge is wealth."
(Lynch 1996: 237)

Bruce Sterling definiert Cyberspace in einer Rede an der National Academy of Sci-ence in Washington D.C. am 10. Mai 1993 folgendermaßen:

"Cyberspace is the funhouse mirror of our own society. Cyberspace reflects our values and our faults, sometimes in terrifying exaggeration. Cyber-space is a mirror you can edit. It's a mirror you can fold into packets and send across continents at the speed of light. It's a mirror you can share with other people, a place where you can discover community. But it's also a mirror in the classic sense of smoke- and- mirrors - a place where you might be robbed or cheated or deceived, a place where you can be promi-sed a rainbow but given a mouthful of ashes."
(gopher://gopher.well.sf.ca.us:70/00.../Sterling_and_Gibson_at_the_Aca-demy)

Synonym zum Begriff Cyberspace werden auch Ausdrücke wie virtuelle Welten, Datenraum oder Informationssphäre benutzt (Woolley 1994: 135).
Bedrohung der künstlichen, computererzeugten Umwelt sind Computerviren, die - ähnlich den biologischen Viren - den Replikationsmechanismus des Rechners be-nutzen, um Kopien von sich selbst herzustellen, die, z.B. über Disketten, auf an-dere Wirtscomputer übertragen werden können. Unterschied zum biologischen Virus: Der Computervirus wird von einem Programmierer geschrieben, in dessen Abhängigkeit man geraten kann (Woolley 1994: 140).
Bedrohung würde von Viren selbstverständlich auch in bezug auf digitales Geld ausgehen. Es stellt sich jedoch die Frage, welchen Stellenwert Geld unter diesen Umständen noch einnimmt. In unserer realen Welt gebrauchen wir Geld zur Be-dürfnisbefriedigung. Doch sind die Bedürfnisse im Cyberspace die gleichen, wie die unserer ‚realen' Welt?
Da auch Geld beziehungsweise finanzielle Transaktionen im Cyberspace in Daten umgewandelt sind, gewinnt die Information mehr Bedeutung als das Geld an sich. Die neue Währung im Cyberspace heißt folglich: Information. Was früher Gold schöpfen war, ist heute das Knowhow, Informationen aus dem Cyberspace- Da-tenstrom abzuschöpfen (Lynch 1996: 237).
In einer virtuellen Gemeinschaft kommt der Austausch von Informationen zum Beispiel einer Art Ware gleich und gewinnt somit ökonomische Bedeutung. Virtu-elle Gemeinschaften können ihren Mitgliedern helfen, mit der Informationsflut fer-tig zu werden, und so als wertvoller Filter dienen. Die sozialen Vereinbarungen innerhalb der Community können effektiver und effizienter als neu entwickelte Software- Agenten zur Reduktion der Informationsflut beitragen; auch dies ent-spricht einer ökonomischen Dimension (Rheingold 1994: 108).
Der Hauptunterschied von virtuellen Online- Communities zum 'real life' ist nach Rheingold, daß in der virtuellen Gemeinschaft elegant präsentiertes Wissen eine wertvolle Währung ist. Zum einen werden Witz und Umgang mit der Sprache von dem Medium Internet belohnt, zum anderen bekommt auch derjenige Informatio-nen schnell und ausführlich, der selbst seinerseits bereitwillig Informationen gibt (Rheingold 1994: 109 f.). Ein Marktplatz des Wissens entsteht, der von den Wech-selbeziehungen von Angebot und Nachfrage gesteuert wird. Die Währung auf die-sem Markt ist jedoch Information.

IV Ausblick


‚Practopia' nennt Alvin Toffler das Leben mit der Welt des Internet. Es ist weder die beste, noch die schlechteste aller möglichen Welten, gekennzeichnet ist sie dadurch, daß sie ‚practical' und ‚preferable' gegenüber der Welt, in der wir leben, ist (Lynch 1996: 246).
Ob Cybercash praktisch und unserem derzeitigen Währungssystem vorzuziehen ist, sei in Frage gestellt. Nach der detaillierten Analyse der zur Zeit existierenden Möglichkeiten digitalen Geldes wachsen Zweifel, ob wir digitales Geld beziehungs-weise neue virtuelle Währungen tatsächlich brauchen. Auch in der Zeitschrift 'In-teractive Banking Technology' wird die Frage aufgeworfen: " Is there even a mar-ket for the micropayment solutions in which DigiCash [und andere Anbieter, Anm. d. Verf.] specializes?" (www.digicash.com/news/room/current.html)

Auch Überlegungen zu hybriden Strukturen helfen an dieser Stelle nicht weiter. Prozesse der Hybridisierung bezeichnen vor allem eine Steigerung der Komplexität und der Effizienz (Schneider 1997: 56). Virtuelle Währungen steigern mit Sicher-heit die Komplexität; ob sie aber letztendlich die Effizienz steigern, ist fraglich. Ein offenes Medium wie das Internet beschleunigt zwar Kommunikationsprozesse, doch wenn sich keine Standards etablieren, werden virtuelle Währungen einen zusätzlichen Aufwand darstellen, der sich nicht rechnen wird. Die Hybridisierung, die Gegensätze zunächst aufhebt, wird im Cyberspace auch wieder in Gegensätze überführt: Das Binäre gewinnt hier die Macht zurück (Schneider 1997: 57).

Um den digitalen Zahlungsformen eine reelle Chance am Markt einzuräumen, wurde das Open Trading Protocol (OTP) entwickelt. Es soll bestehende Defizite der Kompatibilität der verschiedenen Zahlungssysteme mit Hilfe einer offenen Schnittstelle beseitigen. Zur Zeit kann eine Käufer aus New York mit seinem e- cash noch nicht bei einem Händler in Hamburg ordern. Neben dem Problem der nationalen Währungen steht auch das der unterschiedlichen Zahlungsmodalitäten, wie viele Produkte zum Beispiel mit einer Zahlung beglichen werden oder ob die Zahlung vor Erhalt der Ware, danach oder gar in Raten erfolgt. Das OTP soll für die laufenden Pilotprojekte also die komplette Umgebung für den offenen Handel über ungesicherte Netzwerke bereitstellen (www.heise.de/ix/artikel/1998/03/ 122/artikel.html).
Software- Anwendungen wie e- cash oder Cybercoins erfordern jedoch eine ge-wisse Bereitschaft, sich mit neuen Zahlungsformen auseinanderzusetzen. Virtueller Zahlungsverkehr wird mit steigender Akzeptanz des Online- Shopping und mögli-chen zukünftigen digitalen Teleshoppingangeboten an Bedeutung gewinnen. Da sich jedoch auch Kreditkarteninstitute um erhöhte Sicherheitsstandards und Inno-vationen im digitalen Zahlungsverkehr bemühen, ist die Akzeptanz von Cybercash in Frage zu stellen. Die Masse der Verbraucher wird wahrscheinlich lieber auf alt-bekannte Zahlungsmuster zurückgreifen. Daß sich e- cash oder Cybercoins als Standard am Markt durchsetzen werden, ist eher unwahrscheinlich.

In bezug auf die Cybersociety gibt es bereits eindeutigere Trends. Die computer-mediated communication (CMC) von virtuellen Gemeinschaften sorgt für Entwick-lungen in der Kommunikation und der Computerindustrie, die auch Potential für sozialen Wandel im Cyberspace schaffen (Rheingold 1994: 95 f.). Konzepte von virtuellen Gemeinschaften stellen einen Ansatz dar, der einen Nutzen stiftet, den bisherige Dienstleistungsangebote nicht bieten konnten. Die Online- Communities finden sich themenbezogen zusammen und leben vor allem von der Interaktivität der Nutzer (w&v new media report 2/ 99: 2 f.). Die Erfahrungen mit dem Commu-nity- Konzept im letzten Jahr zeigen: Die größte Gesprächsmotivation erzeugt das Thema Geld. Gerade das Online- Broking erfüllt die Voraussetzung für das Funk-tionieren der Communities; die Börse bietet stets aktuellen Gesprächsstoff. Große Erfolge konnte im vergangenen Jahr zum Beispiel die Brokerworld der Direktbank Consors vorweisen (w&v new media report 2/ 99: 2). Doch obgleich die Interakti-vität des Mediums Internet neue Dimensionen eröffnet, dreht es sich letztendlich wieder um Atome und Moleküle aus unserem 'real life'. Gerade beim Thema Geld wird sich das auch nicht so schnell ändern.

Wenn virtuell das bedeutet, was aus dem Möglichen auftaucht und nur beinahe ins Wirkliche umschlägt (Flusser 1993: 66), dann wünschen wir uns keine virtuelle Währung; in ökonomischen Fragen sind wir der Wirklichkeit sehr behaftet.
Wenn aber die Welt, in der wir leben, nicht genug konkret ist und wir neue Welten schaffen müssen, die virtueller sind als die Welt in der wir leben, die uns neue Möglichkeitsfelder erschließen (Flusser 1993: 71), dann eröffnet sich wieder die Frage nach dem Geld beziehungsweise nach der Währung, mit der die neuen Möglichkeiten zu einem "bedeutungsvolleren und fruchtbareren Leben" (Flusser 1993: 71) führen. Vilém Flusser bringt es auf eine interessante Schlußfolgerung: "Das Begeisternde ist nicht das, was wir sehen, sondern das, was wir hinter dem uns Sichtbaren wittern" (Flusser 1993: 71).


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